Filmhaus Saarbrücken

Die Schwarze Kugel
oder die geheimnisvollen Schwestern

von Franz Hofer / 1913
Kompositionsauftrag von arte in der Reihe „Neue Musik zu alten Stumm-)Filmen“

LIVE   Aufführung mit Mitgliedern des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Saarbrücken

arte

Die Schwarze Kugel
oder die geheimnisvollen Schwestern

von Franz Hofer / 1913
Musik: Bernd Thewes

Im Rahmen der Kunstaktion vom
MOGUNTIA-Projekt
JVA Mainz
Dieter von Isenburgstraße 44

Bad Boys 11ation
eine Klanginstallation für den Innenhof der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Mainz für 2 CD-Player und 4 Lautsprecher

Raillon DB Cargo
Rheinstraße, Mainz

Kompositionen von Kretschmar und Thewes

Christoph Lahl (Klangmaschine «Pressluftgeiger»)
Museumsstreichquartett Frankfurt (Musiker)
Salome Kammer (Stimme)
Hermann Kretschmar (Stimme, Elektronik)
Bernd Thewes (Elektronik)

Programm

Hermann Kretschmar
karl ein karl
nach Texten von Konrad Baier
für Stimme und Elektronik

Bernd Thewes
1.Streichquartett
... wait for the richochet ...

nach dem Deep-Purple-Song Child In Time
für Streichquartett, Klangmaschine «Pressluftgeiger»
und 5-kanalige Zuspielmusik

Hermann Kretschmar
und plötzlich ging die Sonne aus
nach Texten von Konrad Baier
für Stimme und Streichquartett

VULKAN:KulturGesellschaftf
Leibnizstraße 44, Mainz

Dietmar Wiesner

Flöte

Bernd Thewes
Code: Figur auf Landschaft (Travestie)
Für Flöte und 5-Kanal-Zuspielung

Ivan Fedele
Donacis Ambra
Für Flöte und elektron. Dispositiv

Cathy Milliken
Round Robin
Für Flöte

Helmut Oehring
Philipp
Für Flöte

Im Rahmen der Kunstaktion
«BASARLAND drei - wegen Inventur geöffnet»

Mauritius-Galerie, Einkaufspassage am Michelsberg
Ebene 1 (ehemaliger HL-Markt)
Wiesbaden-Innenstadt

THRESCH
Ein Melodram

Konzept: Andreas H. Drescher + Bernd Thewes
Musik/Klangprojektion: Bernd Thewes
Text: Andreas H. Drescher
und aus Daniel Paul Schrebers «Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken»

Frankfurter Hof
Augustiner Straße 55, Mainz

Kompositionen von Cage, Gompper und Thewes

Patricia von Blumröder

Klavier

Programm

John Cage (1912—1992)
SONATAS AND INTERLUDES
Für präpariertes Klavier (1946—48)
Sonata I; II; III; IV
First Interlude
Sonata V; VI; VII; VII; VIII
Second Interlude

David Gompper
INSIDE CAGE (2005) UA
Für präpariertes Klavier

Bernd Thewes
RICOCHET (2005) UA
Für Klavier in der Präparation von John Cage's SONATAS AND INTERLUDES

 

John Cage
SONATAS AND INTERLUDES
Für präpariertes Klavier
Third Interlude
Sonata IX; X; XI; XII
Fourth Interlude
Sonata XIII; XIV and XV
«Gemini» - after the work of Richard Lippold
Sonata XVI

ZKM Karlsruhe
Lorenzstraße 19, Karlsruhe

Dietmar Wiesner

Flöte

Bernd Thewes
Code: Figur auf Landschaft (Travestie)
Für Flöte und 5-Kanal-Zuspielung

Ivan Fedele
Donacis Ambra
Für Flöte und elektron. Dispositiv

Cathy Milliken
Round Robin
Für Flöte

Helmut Oehring
Philipp
Für Flöte

ZKM Karlsruhe
Lorenzstraße 19, Karlsruhe

Ensemble ascolta


Markus Schwind, Trompete
Andrew Digby, Posaune
Erik Borgir, Violoncello
Hubert Steiner, Gitarre/ E-Gitarre
Martin Homann und Boris Müller, Schlagzeug
Florian Hoelscher, Klavier
Titus Engel, Leitung


Die Filme mit der am ZKM produzierten Musik werden Anfang Mai 2006 auf ARTE ausgestrahlt.

Programm

Walter Ruttmann
Opus 1 (1921)
Musik: Max Butting (1921)

Hans Richter
Rhythmus 21 (1921)
Musik: Bernd Thewes (2005) UA)

Hans Richter
Vormittagsspuk (1928)
Musik: Martin Smolka, Cornelius Schwehr (2004)

Hans Richter
Filmstudie (1928)
Musik: Cathy Milliken (2004)

Oskar Fischinger
Seelische Konstruktionen (1927)
Musik: Günther Lege (2004)

 

Oskar Fischinger
Kompositionen in Blau (1935)
Originalfilmmusik

Oskar Fischinger
Studie Nr. 7 (1930/31)
Originalfilmmusik

Oskar Fischinger
Wachsexperimente (1925–28)
Musik: Caspar Joh. Walter (2004)

Saarländischer Rundfunk
Funkhaus Halberg
Großer Sendesaal



abwendigMACHT (UA)
Teil I NOVALIS -
Orchesterlied nach Novalis'
«Hymne an die Nacht» Nr.1
Teil II SCHUBERT -
Bearbeitung der Klaviersonate in Bb-Dur, D 960, von Schubert


für Mezzosopran und Kammerorchester

Kompositionsauftrag des Kammerorchesters RICERCARE

Interpreten

Wakako Nakaso - Sopran
Kammerorchester RICERCARE
Alexander Mayer
musikalische Leitung

Das Projekt «abwendigMACHT» ist das Resultat der Kombination zweier verschiedenener kompositorischer Vorgehensweisen: der Neuvertonung von Novalis’ «Hymne an die Nacht Nr.1» für Mezzosopran und Kammerorchester sowie der Instrumentierung von Schuberts berühmter Klaviersonate in Bb-Dur für die gleiche Kammerorchesterbesetzung. Die beiden Arbeiten sind strukturell dadurch aufeinander bezogen, dass ich für die Novalis-Vertonung ein Tonordnungsprinzip entwickelt habe, das sich aus Schuberts für alle vier Sätze der Bb-Dur-Sonate typischen Vorgehensweise der Zusammensetzung von Melodien aus den Nachbarstufen eines Ausgangstones herleitet. Wie Schubert diese Vorgehensweise

auch bei Akkordfortschreitungen anwendet habe ich daraus und aus dem Prinzip der Klangprojektion die spezifische Tonalität (oder Atonalität) meines Orchesterliedes entwickelt.
Inhaltlich war für mich die Textstelle «... Also nur darum / Weil die Nacht dir / Abwendig macht die Dienenden ...» der zentrale Gedanke. Wenn es in den Hymnen um die Problematik von Diesseits/Jenseits oder Tag/Nacht geht, ist das sich «Abwenden» vom Diesseits die unerlässliche sozio-kulturelle Verhaltensweise der Subjekte (der «Dienenden»), die ein Sich-Einlassen auf das Jenseitige, Nächtliche erst ermöglicht. Bei Schubert, der seine Sonate knapp dreißig Jahre nach Novalis’ Hymnen in Zeiten politischer Restauration schrieb, ist

die Macht des Sich-Abwendens fast schon zum grundsätzlichen Aussteigertum des Künstlers mutiert. Dennoch behält er Kontakt zur musikalischen Überlieferung, indem er trotz des zugrundeliegenden abstrakten Tonordnungsprinzips eine Vielzahl musikalischer Genres vom Choral über den Trauermarsch bis hin zu einer Art Zirkusmusik herausmodelliert. Schubert wendet sich von seiner Gegenwart ab, indem er die Autonomie des musikalischen Kunstwerks vorantreibt; gleichzeitig wendet er sich dieser Gegenwart aber wieder zu, allerdings nicht als «Dienender» sondern als Künstler, der über seine eigene Welt der Imaginationen verfügen kann. Der Wunsch, dass die Gesellschaft die «abwendigMACHT» der Kunst

honoriere oder gar – wie Novalis noch glaubte – in gesellschaftliche Reformvorhaben integriere ist spätestens zur Schubert-Zeit schon völlig obsolet geworden. Auch heute noch bleibt nur der «Wehmuth weiche Luft» als ein Gefühlszustand, der sich der seit der Zeit der Romantik nicht aufgelösten Spaltung zwischen gesellschaftlicher Realität und Kunstwelt verdankt.
Bernd Thewes 2005

THRESCH
EIN MELODRAM


von und mit
BERND THEWES (MUSIK)
und
ANDREAS H. DRESCHER (TEXT)




Die Veranstaltung wurde vom Saarländischen Rundfunk mitgeschnitten.

Thresch ist ein Projekt des Komponisten Bernd Thewes und des Autors Andreas Drescher.

Nachdem Drescher und Thewes sich während eines Klangkunst-Symposions in Saarbrücken kennen gelernt und einander erste Einblicke ins Werk des anderen gewährt hatten, beschlossen die beiden, sich an eine gemeinsame Arbeit zu machen. Als Grundlage hatte sich im Diskurs der beiden das Buch „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ von Daniel Paul Schreber herauskristallisiert, des sicher berühmtesten Schizophrenen der Literaturgeschichte.

In einem sich über zwei Jahre hinziehenden Schaffensprozess antwortete mal eine Komposition von Thewes auf einen (durch Schreber inspirierten) Text von Drescher, dann wieder ein Text von Drescher auf eine Komposition von Thewes. Danach erst wurden die O-Töne aus den „Denkwürdigkeiten“ ausgewählt, die das Denken Schrebers noch einmal ganz ungefiltert im Projekt aufscheinen lassen sollten.

«raum für kultur»
Gallusanlage 7 (Gallileo)
60239 Frankfurt am Main
www.fgnm.de


PORTRAIT BERND THEWES

UNTER KEINEM

Ein Hörstück für Sprecher und Klangprojektion (2005)
Live-Version (2006)
Text: Andreas H. Drescher


Code: Figur auf Landschaft (Travestie)
für Flöte und fünfkanalige Zuspielmusik (2001)


Andreas H. Drescher - Sprecher
Bernd Thewes - Klangprojektion
Dietmar Wiesner - Flöte

Anmerkungen zu UNTER KEINEM:
UNTER KEINEM ist ein Projekt des Komponisten Bernd Thewes und des Autors Andreas Drescher. Nachdem Drescher und Thewes sich während eines Klangkunst-Symposions in Saarbrücken kennen gelernt und einander erste Einblicke ins Werk des anderen gewährt hatten, beschlossen die beiden, sich an eine gemeinsame Arbeit zu machen. Als Grundlage hatte sich im Diskurs das Buch «Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken» von Daniel Paul Schreber herauskristallisiert. In einem sich über zwei Jahre hinziehenden Schaffensprozess antwortete mal eine Komposition von Thewes auf einen (durch Schreber inspirierten) Text von Drescher, dann wieder ein Text von

Drescher auf eine Komposition von Thewes.
Zuerst als radiophone Komposition konzipiert, wurde von UNTER KEINEM auch eine Live-Version hergestellt. Diese profiliert den Aspekt der «Klangprojektion», also den räumlichen Umgang mit computergestützter Mehrkanal-Beschallung: verschiedene Positionierungen des Klangs im Raum und vor allem die außerhalb des Computers stattfindende Klangveränderung und –poetisierung durch Drehboxen, Schamanentrommel, selbstgebautes Splitter-Klavier zur Steuerungen von 8 auf Trommeln aufliegenden Lautsprechern und von innen beschallte Große Trommel.

Inhaltlich ist das Stück in 12 Teile gegliedert:
01 GROOVE 168 (Intro),
02 Das Gegenteil eines Kokons,
03 Als Rasselraster,
04 Die Zärtlichkeit der Stachelschweine,
05 RÄDERSTAUB,
06 Auf dem Frühstückstisch,
07 Hinter den Ohren (LEISES EISEN 1),
08 Quer durchs Jod (HORMONFLÖTEN 1),
09- Nissen im Park (HORMONFLÖTEN 2),
10 HORMONHOLZ (Leises Eisen 2),
11 H-ichAllExpress (Teil 1 – ICH),
12 H-ichAllExpress (Teil 2 – DU)

Anmerkungen zu Code: Figur auf Landschaft (Travestie):
Solostücke entstehen oft in enger Zusammenarbeit zwischen Komponist und Instrumentalist, da eine solche Musik seitens des Komponisten eine umfassende Beschäftigung mit den Spieltechniken des jeweiligen Instrumentes verlangt. Bei Dietmar Wiesner und mir ergab sich diese Vorarbeit fast automatisch aufgrund einer langjährigen Freundschaft. Wir gingen gewissermaßen sogar einen Schritt weiter, indem wir dieses normalerweise theoretisch und propädeutisch im Sinne einer Material-Sondierung aufgefasste Sezieren der flötenspezifischen

Klangerzeugung in der Komposition selbst hörbar werden lassen wollten. Die passende Technologie stand in Gestalt des Samplers schon bereit. Die Samples habe ich dann im Sequenzer komponiert und zur Wiedergabe auf ein System von 5 Lautsprechern geroutet. Bei unserem Stück kommt es primär auf die Relation Solo-Instrument / Lautsprecher-Wiedergabe an und zwar in der Art, dass auf beiden Ebenen das Selbe – nämlich die Klangmöglichkeiten der Flöte - ausschlaggebend sind, zum Einen als aktuell Gespieltes und zum Andern als - im Sinne einer konstruktiven Klangprojektion - aktuell zugespieltes ehemals Gespieltes. Das Entscheidende,

Bedeutungsschaffende ist allerdings der Wahrnehmungsakt. Ich ging davon aus, dass ein Rezipient beim Wahrnehmen des 33-minütigen recht komplexen Klangereignisses die Figur-Grund-Wahrnehmung – also die Entscheidung was Vordergrund und was Hintergrund des Geschehen ist - quasi automatisch im Sinne einer psychologisch konstanten Tendenz anwenden wird. Durch die Gleichartigkeit der vom Solisten live gespielten und der über Lautsprecher zugespielten Klangangebote sowie beider Verwobensein in eine konzertante Wechselbeziehung wird der Rezipient in seinem Bemühen um Klärung seiner eigenen

Hörperspektive sozusagen poetisch (im Sinne von schöpferisch) indem die von Solo-Flöte und 5 Lautsprechern erzeugte Klanglandschaft zusammengenommen als Travestie einer im Hörakt imaginierten und synthetisierten «Flöten-Maschine» erscheint.
(Bernd Thewes)

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke

Fassung für Sprecher und Kammerensemble von Bernd Thewes


Orchester: Berliner Symphoniker

Samstag 27 JAN..16h
Radialsystem Saal

ensemble ascolta
Titus Engel, Leitung

>Gehörgang ins Auge<

Rhythmus 21
Film: Hans Richter (1921)
Musik: JOHN CAGE, LOU HARRISON (1941)
Wachsexperimente
Film: Oskar Fischinger (1925-1928)
Musik: CASPAR JOHANNES WALTER (2004)
Filmstudie
Film: Hans Richter (1928)
Musik: CATHY MILLIKEN (2004) )
Seelische Konstruktionen
Film: Oskar Fischinger (1927) Musik: GUNTER LEGE (2004)

 
 

 
 
 
 

Lichtspiel Opus I
Film: Walter Ruttmann (1921) Musik: OLIVER FRICK Lichtspiel
Opus IV
Film: Hans Richter (1925)
Musik: SVEN-INGO KOCH (2006)
Studie Nr. 7
Film: Oskar Fischinger (1930/31) Originalmusik: JOHANNES BRAHMS, arr. ANDREW DIGBY (2004)
Vormittagsspuk
Film: Hans Richter (1928)
Musik: CORNELIUS SCHWEHR (2004)

 
 

 
 
 
 

Vormittagsspuk
Film: Hans Richter (1928)
Musik: MARTIN SMOLKA (2004) Rhythmus 21
Film: Hans Richter (1921)
Musik: BERND THEWES (2006) Diagonal Symphonie
Film: Viking Eggeling (1925)
Musik: OLGA NEUWIRTH (2006)

In Zusammenarbeit mit
ZKM Karlsruhe, arte/ZDF und Radialsystem

Zeitgenössische Kunst sehen und hören
Kammerensemble
Neue Musik Berlin & Gäste

Galerie Leo.Coppi
Aiuguststraße 83   Berlin


Ausstellung:
Reinhard Stangl (Malerei)

 
 
 
 

 
 


Musik:
Lucia Mense, Blockflöten (als Gast)
Friedemann Werzlau, Schlagwerk

Steve Reich
Vermont Counterpoint (1982)
Version für verstärkte Blockflöte und CD
Beginn 13:45/14.15/16.15/18:00

Bernd Thewes
subcode (1997)
für Pappschlagzeug
Beginn 14:45/15.45/16.45/17:30

Samstag 12 MAI..15h
Stadtgalerie Saarbrücken

V Reflexionen
«Remixes und Reminiszensen als Kategorien Neuer Musik?»


Gespräch mit den Komponisten Nicolaus A. Huber, Bernd Thewes und Claas Willeke
sowie mit dem Musikjournalisten Christoph Wagner

Moderation: Wolfgang Korb

Sonntag 13 MAI..11h
«E-Werk» Saarbrücken-Burbach

VII Finale – Reminiszenzen II (7. Matinée)
 
 
 
Mike Svoboda, Posaune
Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken
Dirigent: Christoph Poppen








Martin Smolka:
Remix, Redream, Reflight
für Orchester [15']
 
Mike Svoboda:
Love Hurts – Carmen Remix
für Posaune und Orchester [34']
 
Bernd Thewes:
Motion Picture mit Leporello
für Solo-Posaune und kleines Orchester [15']
SR-Kompositionsauftrag – UA
 
Nikolaus A. Huber:
Modell im Rückspiegel

Die erste Szene in Mozarts Oper «Don Giovanni» wird von Leporello, dem Diener Don Giovannis eingeleitet und geprägt. Im nächtlichen Garten geht dieser – Wache schiebend in einen Umhang gehüllt – aufgeregt vor dem Haus der Donna Anna auf und ab. Er ärgert sich über seinen Chef, dem es «doch nie recht gerät» (per chi nulla sa gradir) und möchte «nicht länger Diener sein, nein, nein, nein ...» (non voglio più servir, no, no ...), während jener – drinnen bei der Schönen» (dentro colla bella) ist. Doch dann hört er Leute kommen und plötzlich schlägt seine aufrührerische Aufgeregtheit (immerhin befinden wir uns im Jahre 1787, also 2 Jahre vor der französischen Revolution) in duckmäuserische Heimlichtuerei um und er singt sein Nein auf die

gleiche F-Dur-Dreiklangsbrechung wie vorher, aber diesmal mit dem Fazit «nein, nein, nein ... ich will nicht, dass man mich hört ...» (no, no ... non mi voglio far sentir). Die folgenden 4 Takte dienen musikalisch der Modulation von
F-Dur nach B-Dur und dem Diener Leporello, sich zu verbergen (S'ascondo). Mozart ist es gelungen, in einer knappen, präzisen Zeitform und einem fast übertrieben konventionellen Tonsatz sowohl die Einzelfigur Leporello als auch den Prototyp des Dieners erstehen zu lassen, der letztendlich aus Überangepasstheit nie aus seiner unterwürfigen Rolle herauskommen wird. Dabei ist die Bewegung auf der Bühne, das auf und ab gehen mehr als eine lediglich der Opernhandlung entspringende

Situationsbedingtheit. Dieses Bewegungsbild tritt ja unweigerlich in den Zusammenhang der – wie schon erwähnt – durchweg konventionellen musikalischen Kadenzierungen, wodurch das Verharren im Konventionellen, das Angepasst-sein selber ironisiert wird ohne den Zeigefinger auch nur ein wenig heben zu müssen. Das Geheimnis, wie sich Bewegung und Gestisches in Musik abbildet, zeigt oder auch kompromittiert ist nun schon seit langem eine Thematik, mit der ich mich in meinen Kompositionen beschäftige und beschäftigt habe, nicht zuletzt in dem Posaunen-Solostück «motion picture» von 1996, das Mike Svoboda gewidmet ist und das er im gleichen Jahr in der Stadtgalerie Saarbrücken beim Forum Neue Musik uraufgeführt hatte.

Aufbauend auf den damals entwickelten Spielfiguren, die ich in ein kleines Orchester hinein verlängert, gespiegelt und projiziert habe, fällt an einer bestimmten Stelle, an der der Solist vom hohen E zum F glissandiert Mozarts Leporello-Szene in das musika-lische Geschehen ein. Allerdings nicht als Zitat sondern in spezifisch deformierter Form. Diese Deformation besteht darin, dass ich den Namen Leporello in seiner Bedeutung als harmonika-artiges Faltblatt sozusagen bewusst missverstanden habe. Ich habe das Prinzip des Faltens auf die Zeit übertragen und im Computer Mozarts Musik leporelloartig mehrfach abwechselnd gedehnt und gestaucht. Im Übertragungsprozess auf die Konstellation Solo-Posaune/

Orchester entstanden dann vielfältige Ausweichmanöver, die das Verfahren selbst wiederum karikieren. Der Solist wird durch sein reales auf und ab gehen auf der Bühne zur Leporello-Erinnerungsfigur. Der quasi stofflich formende Umgang mit Zeitdehnung und -stauchung ermöglicht ein Eintauchen in die Beschaffenheit des Konventionellen, indem das musikalische Zeitempfinden, das ja bekanntermaßen und ganz deutlich in tonaler Musik von der Erwartungshaltung geprägt ist, in ein wechselweise überstürztes, abgekürztes und dann wieder überdehntes Warten (statt Er-Warten) verwandelt wird.

Bernd Thewes
Mainz, 26 April 2007

«Berlin - Die Sinfonie der Großstadt»

Deutschland 1927, Walther Ruttmann, Wiederaufführung der Originalkomposition von Edmund Meisel in der Orchesterfassung von Bernd Thewes. Greek Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Frank Strobel

Gehörgang ins Auge - experimentelle Stummfilme der 1920er Jahre

Musik von  Olga Neuwirth, Sven-Ingo Koch, Bernd Thewes (Musik zum Film Rhythmus 21 von Hans Richter (1921), Musik zum Film Rhythmus 23 von Hans Richter (1923)), Oliver Frick (UA), Gunter Lege, Cathy Milliken, Cornelius Schwehr, Martin Smolka, Caspar-Johannes Walter und Johannes Brahms

Hören:
Musik zu Hans Richters Film «Rhythmus 23»
 02:33 min --> mp3 (2,5 MB)